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Die Geschichte der Heißluftballone

Der Beginn der Luftfahrt

Start der ersten Montgolfiere 4.Juni.1783

Die wissenschaftlichen Grundlagen der Ballonfahrt -
das Gesetz des Auftriebs - beruhen auf den Forschungen von Archimedes
(lebte von 285 bis 212 vor Christus).

Auch Leonardo da Vinci ( lebte von 1452 bis 1519) hatte das Prinzip schon begriffen, als er der Erzählung nach zum Geburtstag des Papstes Leo X. Heiligenfiguren aus Papier über dem Feuer mit warmer Luft füllte und aufsteigen ließ.






Meilensteine der Ballonfahrt

Eigentlich begann aber alles erst richtig, als am 4. Juni 1783 die Gebrüder Jacques und Joseph Montgolfier auf dem Marktplatz des kleinen Städtchens Annonay im Süden Frankreichs ihr Gebilde aus Papier und Stoff zwischen zwei Holzmasten aufbauten. Es war das Gerücht aufgekommen, dass die Gebrüder etwas noch nie dagewesenes an diesem Morgen vorführen wollten. Aus diesem Grund strömte eine große Menschenmenge auf den Marktplatz von Annonay um an diesem Spektakel teilzunehmen. Sie wurden nicht enttäuscht, denn gegen 12 Uhr Mittags erlebten sie den ersten Start eines Körpers schwerer als Luft und gleichzeitig auch den ersten Start eines Heißluftballons.

Am 19. September 1783 starteten vor 130.000 Zuschauern und im beisein von König Ludwig dem XVI. die ersten Passagiere: Ein Hammel, eine Ente und ein Hahn, wobei sich letzterer, nach Überlieferung, bei der Landung ein Bein brach.

Die Kunde vom ersten Start eines Ballons gelangte schnell nach Paris und so wurden die Gebrüder Montgolfier vom damaligen König Ludwig XVI. eingeladen, einen Start in Paris zu wiederholen, dass der Ballon erstmals und als besondere Attraktion, zu Ehren des Königs mit Personen in die Luft gehen sollte. Vorgesehen hierfür waren zwei zum Tode verurteilte Sträflinge. Auf Intervention des Adels, der der Auffassung war, dass man bei so einem Weltereignis nicht Sträflinge nehmen sollte, entschlossen sich dann der Marquis de Arlange und der Comtè de Rochfourt den Start mit dem Ballon zu wagen.
Der Start erfolgte an einem kühlen Novembermorgen des Jahres 1783 aus den Schloßanlagen von Versailles und endete nach einer ruhigen Fahrt über Paris hinweg, ohne Probleme in der Gegend von Compigne, 8 km vom Startplatz entfernt.

Der Ballon wurde mit ölgetränktem Holz, Papier, freuchtem Stroh und Stoff befeuert. Damals war man der irrigen Meinung, dass der Rauch (und nicht unbedingt die warme Luft) für den Aufrieb sorgte. Also verbrannte man alles was stark rauchte.

Joseph Montgolfier

Joseph Montgolfier

Die Brüder Montgolfier - Väter des Heißluftballons
Zwei ungleiche Brüder aus der Provinz

Michel-Joseph und Jacques Étienne Montgolfier gelten als die Erfinder des Heißluftballons. Es wird zwar vermutet, dass schon vor ihnen von Menschen das Aufsteigen und Einfangen warmer Luft erkannt haben, aber die beiden Brüder waren die Ersten, die darüber detaillierte Aufzeichnungen machten und die breite Öffentlichkeit informierten.

Étienne und Joseph waren die Kinder von Pierre Montgolfier (1700-1793), der zusammen mit Anne Duret insgesamt 16 Kinder hatte: 11 Söhne und 5 Töchter. Pierre Montgolfier betrieb in Vidalon Le Haut, nur wenige Kilometer von Annonay entfernt, eine Papiermühle, die sich bereits seit 1557 im Familienbesitz befand.

Michel-Joseph MontgolfierMichel-Joseph Montgolfier wurde am 26. August 1740 geboren. Er besuchte das Gymnasium in Annonay, war aber ein miserabler Schüler und galt als verträumt und undiszipliniert. Aufgrund seiner schlechten schulischen Leistungen, schickte ihn sein Vater auf die Jesuitenschule in Tournon. Mit 12 Jahren floh er aus dem Internat und verbrachte einige Wochen am Mittelmeer. Schließlich kehrte er reumütig zu seinem Vater zurück.
Einige Jahre später floh er erneut, um nicht Theologie studieren zu müssen. Er richtete sich ein kleines Labor in der Nähe von Saint-Etienne ein. Dort gelang es ihm die Farbe Preußischblau herzustellen und mit den Einnahmen aus dem Labor konnte er leben.

Etienne Montgolfier

Etienne Montgolfier

Am 06. Januar 1745 wurde Jaques Étienne Montgolfier geboren. Er besuchte das Gymnasium Sainte Barbe in Paris und wurde als fleißig, mathematisch begabt und freundlich beschrieben - das genaue Gegenteil von Joseph. Étienne studierte Architektur in Paris und machte physikalische und chemische Versuche.

Zu Beginn der 70er Jahre kehrten beide nach Vidalon zurück. Joseph übernahm die in der Nähe liegenden Papierbetriebe vin Rives und Voiron, Étienne auf Wunsch des Vaters die Fabrik an der Deume. 1777 gelang es Étienne zum ersten Mal in Frankreich das pergamentartige Velin-Papier herzustellen.

Joseph gründete 1774 eine neue Papiermanufaktur in Voiron, der ein Labor für physikalische und chemische Experimente angebaut wurde. Er entwickelte einige beachtliche technische Verbesserungen, die jedoch das Vermögen aufzuzehren begannen, weil sie zu früh oder nicht ausgereift eingeführt wurden. Gegen Ende der siebziger Jahre geriet er in ernste finanzielle Schwierigkeiten und musste im Juli 1782 sogar für kurze Zeit ins Gefängnis. Regelmäßig besuchte er seinen Bruder Étienne in Vidalon. Abends, in gemütlicher Runde mit dem Vater, kam das Gespräch immer häufiger auf das Thema Fliegen.

Idee des Heissluftballons

Die beiden Brüder beschafften sich alle verfügbare Literatur zum Thema Fliegen. Eigentlich war die Zeit reif für die Erfindung des Ballons. Das Wasserstoffgas war bereits erfunden, selbst die Idee des Einfangens in einem sackähnlichen Gebilde von einem Gas, das leichter als Luft sein sollte, gab es schon. Es kursierten Gerüchte über Fluggeräten, theoretische Grundlagen und praktische Vorschläge zur Verwirklichung von Aufstiegen. Aber es fehlte ein Anwender, der die Ideen und Zusammenhänge richtig umsetzte.

Was der genaue Auslöser für den Bau des ersten Montgolfier'schen Ballon war, ist leider nicht überliefert. Es gibt verschiedene Gerüchte - eines besagt Joseph hätte den über dem Kamin hängenden Unterrock aus Seide von seiner Frau beobachtet, wie dieser sich aufblähte. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass er in seiner Zeit in Avignon im November 1782 den im offenen Kaminfeuer aufsteigenden Rauch beobachtet. Irgendwie kam es zur zündenden Idee und er hielt einen aus Taft zusammen genähten Würfel über das Feuer. Dieser füllte sich mit heißer Luft und stieg an die Zimmerdecke.

Voller Begeisterung fuhr Joseph zurück nach Vidalon und berichtete seinem Bruder von dem Versuch. Zusammen entwickelten und bauten sie sofort einen ersten Ballon. Dazu wurde Seide, die eigentlich zum Füttern von Fräcken bestimmt war, sowie einige Kleider der Frauen kurzerhand zerschnitten und umfunktioniert - die Zeit fehlte, neue Seide aus Lyon zu bestellen. Im Haus räumte Joseph entgegen dem Widerstand des Vaters ein Zimmer aus und entzündete ein Feuer auf einer Metallplatte. Im total verrauchten Raum stieg vor den Augen der Familie der Ballon auf. Vom Erfolg beflügelt, beschloss man sofort einen neuen Versuch, diesmal im Freien.

Erste Versuche

Den nächsten Ballon ließen die Brüder von ihren Arbeitern aus besonders dichtem Papier bauen. Dieser hatte bereits einen Durchmesser von drei Metern. Am 14. Dezember 1782 stellte man auf dem Geländer der Montgolfiers zwei Masten auf, an denen der Ballon zum Füllen aufgehängt wurde. Auch dieser Versuch funktionierte, der Ballon stieg im windstillen Tal in den Winterhimmel auf. Trotzdem man den Arbeitern ein Schweigegelübde über die Versuche auferlegt hatte, gab es in der Bevölkerung bald erste Gerüchte über das Hexenwerk und die Zauberei der Montgolfiers. Die Brüder waren sich der daraus resultierenden Gefahren bewusst und gingen in die Offensive. In einem Brief an die "Akademie der Wissenschaft" in Paris, kündigten sie die Konstruktion einer neuen Flugmaschine an. Es war ein erster kluger Schachzug gegen Konkurrenten und Neider, durch ein datiertes Dokument in den Händen bekannter Pariser Physiker, sich gegen den geistigen Diebstahl der Entdeckung abzusichern.

Den Winter nutzten die Brüder um Berechnungen für einen neuen Ballon anzustellen. Sie führten Versuche aus, um besseres Hüllenmaterial zu testen und nutzten fortan Verpackungstuch und zusätzliche Lagen dreifachen Papiers. Außerdem entdeckten sie, dass die Form der Kugel sich besser für Ballone eignet, als die Form des Würfels. Ein neuer Ballon mit 12 m Durchmesser und einem Gewicht von 500 Pfund wurde gefertigt. Dieser hatte auch erstmalig ein Holzgestänge, um die Öffnung aufzuhalten.

Der erster Testaufstieg erfolgte im Frühjahr in Roiffieux auf der Terrasse des Herrn von Brogieux mit einem ausgewählten Kreis von Gästen. Aufgrund des aufkommenden Windes verzichtete man auf eine Fahrt, um den neuen Ballon nicht zu beschädigen.

Im Park des Schlosses von Colombier le Cardinal, drei Meilen von Annonay entfernt, wurde ein zweiter Testaufstieg gestartet. Wieder erfolgte dieser am Seil. Diesmal hängte man wegen der einbrechenden Dunkelheit eine Laterne an den Ballon. Wegen des hohen Auftriebs des Ballons, konnte ihn die Haltemannschaft nicht mehr beherrschen und ließ plötzlich die Seile aus. Der Ballon entfloh in die Nacht. Sofort startete man eine Suche per Pferd. Glücklicherweise konnte der Ballon leicht beschädigt geborgen werden.
Natürlich wurde er mit seiner Laterne von Bauern und Reisenden gesehen - die Folge waren weitere aufgebauschte Berichte und das Gerücht wurde bestärkt, dass es in der Schlucht von Vidalon nicht mit rechten Dingen zuging.

Die Brüder blieben allen Gerüchten taub. Durch ihre bekannte Frömmigkeit und ihr hohes Ansehen in der Gemeinde blieben die Arbeiten bisher von Nachforschungen von weltlicher und kirchlicher Obrigkeit verschont.

Erster öffentlicher Ballonaufstieg in Annonay am 4. Juli 1783Bei einem Familienrat beschloss man schließlich, mit der Erfindung an die Öffentlichkeit zu gehen. Um sich nicht zu blamieren, starteten die Montgolfiers weitere Testreihen, führten meteorologische Beobachtungen durch und versuchten durch Berechnung den Stroh- und Wolleverbrauch zu bestimmen.
Aus der Ständevertretung in Annonay kam die Zustimmung, dass am 4. Juli die Erfindung begutachtet werden sollte. Die Brüder bauten einen Ballon mit einem Volumen von 790 m³ (28.000 Kubikfuß), einem Gewicht von 225 kg und führten diesen erstmalig in der Öffentlichkeit vor. Der Aufstieg dieses Ballons wurde zum vollen Erfolg. Nach einer Fahrtstrecke von 2 km, einer Fahrtdauer von 10 Minuten und einer Höhe von 1.600 - 2.000m landete der Ballon. Aus Sorge, sie könnten um Früchte des Ruhms für die mühevolle Arbeit gebracht werden, baten die Montgolfiers den Syndikus der Ständeversammlung um ein amtliches Protokoll des Fluges.

Ein weiteres mal bewiesen sie Umsicht und ließen eine Abschrift des Berichts an den Generalkontrolleur der "Königlichen Akademie der Wissenschaften" in Paris schicken.

Öffentliche Vorführung

Dieser Bericht löste den Auftrag der speziell gegründeten Ballon-Kommission der Akademie der Wissenschaft an Professor Charles aus, ebenfalls einen Ballon zu bauen. Derweil beorderte König Ludwig XVI. die Brüder nach Paris. Étienne reiste alleine und ohne Ballon in die Hauptstadt. Doch anstelle von gemütlichen Abenden im Kreis von Freunden oder vergnüglichen Theaterbesuchen, erwartete ihn viel Arbeit.

Beim Aufstieg des Ballons "Globe" von Professor Charles am 27. August 1783 war Étienne anwesend und er erkannte sofort, dass Charles ein anderes Ballon-System erfunden hatte. Damit begann ein Wettkampf um die Gunst des Publikums und um das Erstgeburtsrecht der Erfindung Ballon.
Von der Kommission wurde Étienne aufgefordert, ebenfalls einen Ballon zu bauen und diesen vorzuführen. Die Arbeiten konnte er bei seinem Freund Jean-Baptiste Reveillon in dessen Werkstätten der Königlichen Papiermanufaktur und in dessen großen Garten durchführen.

Im September begann Étienne mit Bau des neuen Ballons, der gewaltige Dimensionen haben und die Zuschauer beeindrucken sollte. Nach seiner Fertigstellung war das Luftgefährt 21 m hoch und hatte einen Durchmesser von 12 m. Gefertigt war er aus Stoff, der von beiden Seiten mit Papier beklebt war. Das äußere Papier war blau gefärbt und von Theatermalern mit goldgelben Girlanden und zwei ineinanderverschlungenen Initialen des Königs geschmückt. Joseph und Étienne wollten in der Hauptstadt Geschichte schreiben und als erste Lebewesen aufsteigen lassen - nämlich Tiere. Am 11. September 1783 gelang ein erster Aufstiegsversuch mit dem Ballon. Am Tag darauf in der Früh wollte er bei einem erneuten Aufstieg den Ballon der Akademie-Kommission präsentieren. Als es plötzlich anfing zu regnen, kam starker Wind auf und das Gerät wurde komplett zerstört.

Étienne war verzweifelt, da für den 19. September dem König versprochen war, den Ballon im Flug zu zeigen. Jean-Baptiste Reveillon gelang es ihn wieder aufzurichten und zu ermutigen und innerhalb von sechs anstrengenden Tagen und Nächten wurde ein neuer Ballon gebaut. Étienne und Joseph hielten zu dieser Zeit regen Kontakt per Post und Joseph schlug vor, eine Kuh unter den Ballon zu hängen. Étienne entschied sich dagegen. Er war überzeugt, dass mehrere kleinere unterschiedliche Tiere den Beweis für die Ungefährlichkeit der höheren Luftschichten besser beweisen könnten - Hahn, Hammel und Ente.
Am Vorabend des 19. September 1783 wurde der gerade fertig gestellte Ballon auf einen Wagen verpackt und am nächsten Tag, um 5 Uhr in der Früh, setzte sich die Kolonne in Bewegung zur Demonstration.

Aufstieg von Hahn, Hammel und Ente vor dem Schloss von VersaillesSie erreichte gegen 8 Uhr das Schloss von Versailles, wo sie bereits ungeduldig erwartet wurde. Vor dem Schloss versammelten sich über hunderttausend Zuschauer, dieses spannende Ereignis wollte sich keiner entgehen lassen.
Ein Sekretär führte Étienne zum Herzog von Duras, Marschall von Frankreich und Aufseher des Königlichen Theaters, der einen schriftlichen Bericht für König Ludwig XVI. verlangte. In diesem sollte die erreichbare Höhe, Flugdauer und Entfernung angegeben werden, damit sich der König ein Bild davon machen konnte. Kurz darauf wurde Étienne gesagt, dass er um halbzwölf dem König persönlich berichten sollte.

In der Zwischenzeit kümmerte sich Étienne um die Vorbereitungen zum Start. In der Mitte des Platzes vor dem Schloss, war eine drei Meter hohe, achteckige Tribüne aufgestellt worden. Seitlich davon ragten zwei 24 m hohen Mastbäume auf. In der Mitte der Tribüne befand sich ein Loch. Im Inneren des Loches wurde in einer Kohlepfanne aus Eisenstäben die Zutaten zur Erzeugung des Montgolfier'schen Gases hergerichtet: nasses Stroh, gehackte Schafswolle, alte Schuhe und halbverweste Tierkadaver.

Pünktlich um halbzwölf berichtete Étienne dem König von seiner Erfindung und der anstehenden Demonstration. Der König, immer an neuem interessiert, wollte sich selbst Bild der fremden Wissenschaft machen und besuchte zusammen mit Marie Antoinette die Tribüne. Aufgrund des pestilenzartigen Gestankes des faulenden Fleisches trat er jedoch bald den Rückweg ins Schloss an und sah dem Spektakel lieber vom Fenster aus zu.
Auf sein Handzeichen hin entzündet Étienne das Feuer in der Kohlepfanne und der Ballon füllte sich zusehends. Er war etwas kleiner als sein Vorgänger, rund 17 m hoch und hatte einen Durchmesser von 12 m. Wieder war er azurblau mit Wasserfarben angemalt, mit zwei kunstvoll gestalteten goldenen Girlanden verziert, zwischen denen mehrere Initialen des Königs leuchten. Nach dem Signal von Étienne ließ die Haltemannschaft den Ballon los und dieser schwebte über das Schloss Richtung Nanterre davon. Unter dem Ballon hing der Käfig mit den drei Tieren. Bei einer Testfüllung am Vortag, hatte der Ballon zwei Risse bekommen. Diese waren nur notdürftig geflickt worden und gingen beim Aufbau vor dem Schloss wieder auf. Aus den Rissen strömte warme Luft aus und der Ballon landet bereits nach 8 Minuten und einer Fahrtstrecke von 2 Meilen sanft in einem Wäldchen nördlich von Versailles. Die Verfolgermannschaft fand ihn unbeschädigt auf einer Lichtung in der Wiese. Der Käfig war bei der Landung aufgesprungen, die Tiere weitgehend unbeschadet. Der Hammel weidete das Gras und nur der Hahn hatte einen gebrochenen Flügel. Sofort begannen heftige Diskussionen über die Gefahren der neuen Art zu Reisen. Mehrere Zeugen versicherten jedoch glaubhaft, dass der gebrochene Flügel von einem Tritt des Hammels bereits eine halbe Stunde vor dem Start herrührte.

Der Aufstieg war ein voller Erfolg, auch wenn der Ballon aufgrund der Risse nicht ganz so hoch und lang gestiegen war, wie ursprünglich geplant. Über denn Hahn und die Ente gibt es keine weiteren Berichte, aber der Hammel namens "Montauciel" (in den Himmel aufgestiegener) konnte fortan im königlichen Tiergarten besichtigt werden.

Erste bemannte Ballonfahrt



Nach dem Erfolg vom 19. September wollte Étienne der Erste sein, der mit einem Ballon einen Menschen aufsteigen ließ. In der Abgeschlossenheit der Reveillon'schen Papierfabrik, arbeitete er an neuem Ballon. Für diesen musste er die anfallenden Kosten selber tragen, da sich die Akademie mit der Vorführung in Versailles zufrieden gab. Anfang Oktober war der Ballon mit einem Durchmesser von 15 m und einer Höhe von 22 m fertig. Er hatte ein Volumen von 60.000 Kubikschuh. Am unteren offenen Ende war ein kreisrunder Umgang von einem Meter Breite aus Weidengeflecht befestigt, auf dem die Passagiere stehen sollten.

In der Mitte der Öffnung hing eine Glutpfanne. Das Feuer darin konnte durch zwei in den unteren Hüllenrand geschnittene Löcher mit Stroh und Wolle gefüttert und geschürt werden. Der Ballon war aus Leinen gefertigt, mit Papier beklebt und mit Wasserfarbe bemalt. Zu Ehren und aus Dankbarkeit für die Unterstützung seines Freundes Étienne, trug er den Namen "Le Reveillon". Über der Galerie waren vier Adler mit ausgebreiteten Schwingen aufgemalt, darüber ein Kreis von Löwenköpfen. In der Mitte abwechselnd vier goldene Sonnen und viermal der erste Buchstabe des königlichen Namens.

Erste Aufstiegsversuche wurden noch ohne Passagiere durchgeführt. Am 12. Oktober 1783 stieg der 29-jährige Physiker Pilâtre de Rozier, mit dem an Seilen gefesselten Ballon, einige Meter über den Boden auf. Zwei Tage darauf, am 14. Oktober unternahm Étienne selbst einen Fesselaufstieg, zuerst alleine, anschließend zwei weitere Male mit dem Herzog von Chartres und dem Bischof von Narbonne, Hr. Dillon. Er erhoffte sich dadurch Fürsprache beim Hof, da ihm die Kosten für den Bau des Ballons und der langen Abwesenheit aus der Papierfabrik langsam über den Kopf wuchsen.

Langsam wurde zunehmend Sicherheit im Umgang mit dem Ballon gewonnen, denn am 15. und am 17. Oktober erreichte de Rozier am Seil eine Höhe von 25 m. Am 19. Oktober stieg er zuerst auf 80 m auf, später sogar auf 100 m. Diesmal war ein Schulfreund Josephs aus dem Jesuitenkolleg in Touron an Bord, Chevalier Francois-Laurent d'Arlandes, ein Infanterie Major. Dieser erhoffte sich durch das Wagnis der Ballonfahrten einen höheren Rang in der Armee und Ruhm.

Pilâtre de Rozier drängte in den folgenden Tagen auf eine erste Freifahrt, doch noch fehlte die Zustimmung des Königs, der zögerte.
Étienne bat d'Arlandes seine Bezieheungen am Hof spielen zu lassen, um den König umzustimmen. Dieser tat einen klugen Schachzug. Er wandte sich mit seinem Anliegen an die Herzogin von Olignac, die als engste Vertraute von Marie Antoinette über Einfluss am Hofe verfügte. Zusammen mit der Königin gelang es den beiden Frauen den König zu überzeugen. Ludwig XVI. stimmte schließlich einem Aufstieg zu - außerhalb von Paris, im Park von "La Muette", vor dem Jagdschlößchen im Bois de Boulogne". Daran war allerdings die Bedingung geknüpft, dass sich zwei zum Tode verurteilte auf der Galerie befänden.
Pilâtre de Rozier war zutiefst empört, sollte wirklich gemeinen Verbrechern der Ruhm des ersten Fluges in der Geschichte der Menschheit zuteil werden? De Rozier und d'Arlandes nutzen alle Beziehungen und in einer Audienz am 17. November gelangt es d'Arlandes, den König mit der Begründung, "er selbst wolle an Bord um den Ruhm Frankreichs zu mehren", umzustimmen.

Erste bemannte Ballonfahrt am 21. November 1783Am Freitag, den 21. November 1783, fanden sich zehntausende Zuschauer im Park von "La Muette" ein. Menschen aus allen Ständen wollten dem Ereignis des ersten Menschenfluges beiwohnen. Neben einfachen Bürgern kamen Adelige und alles was Rang und Namen hatte.
Um 13 Uhr 54 Min. war "Le Reveillon" mit heißer Luft gefüllt und hob ab. An Bord befanden sich Pilâtre de Rozier, der um jeden Preis der erste Luftfahrer sein wollte und Chevalier Francois-Laurent d'Arlandes, weil er hoffte, über diese Tat, befördert zu werden.
Die Reise ging nach Südosten, über die Seine. Die beiden wagemutigen Piloten warfen Strohbüschel ins Feuer in der Glutpfanne, um zu Steigen. Einen mit Wasser getränkten Schwamm benutzten sie zum Löschen von kleinen Bränden an der Ballonhülle, die durch Funken entstanden.

Nach 25 Minuten, einer Fahrtstrecke von 9 km und einer erreichten Höhe von 3.000 Fuß, landeten die beiden Luftfahrer sicher bei der Mühle von Coulebarbe. Die erste bemannte Ballonfahrt war an diesem denkwürdigen Tag erfolgreich zu Ende gegangen.

Ruhm und Ehre



In den folgenden Tagen war die Luftreise das beherrschende Thema in Paris. Die Luftfahrer wurden bestaunt und bejubelt. Eine Flut von Kupferstichen, Theaterstücken und Liedern wurden zum Ruhm des Luftballons und seines Erfinders Montgolfier geschrieben. Medaillen wurden geprägt und die Zeitungskorrespondenten aus den wichtigsten europäischen Ländern sandten ihre Beträge mit Kurierpost in die Heimatredaktionen.

Der Ballon "La Reveillon" konnte fast unbeschädigt geborgen werden. In den Folgetagen ließ man ihn gefesselt immer wieder im Reveillon'schen Garten aufsteigen. An Bord befanden sich illustre Gäste, sicher geführt durch den Piloten Pilâtre de Rozier.
Nur wenige Tage nach dem ersten bemannten Ballonaufstieg in einer Montgolfère, gelang Professor Charles am 01. Dezember zusammen mit Robert, der erste Aufstieg in einem Gasballon. König Ludwig XVI. ließ daraufhin eine Medaille prägen, auf der beide Maschinen, Montgolfère und Charlière, verewigt sind.
Joseph Montgolfier und Pilâtre de Rozier erhielten für ihre Leistungen eine lebenslange Pension von 1000 Livres. Étienne erhielt das Doppelte, was zur Verstimmung von Joseph in Annonay führte und zum offenen Protest von de Rozier. Dieser forderte die gleiche Summe wie der Erfinder des Ballons. Daraufhin wurde kurzerhand Josephs Pension um den Betrag erhöht und de Rozier, der erste Luftfahrer, ging leer aus.
Vorher schon trugen de Rozier und d'Arlandes in der Öffentlichkeit einen Streit um den Ruhm der vollbrachten Taten aus. D'Arlandes musste sich daraus beschämt zurückziehen und erhielt ebenfalls nichts.

Wappen der Brüder MontgolfierIn einer feierlichen Sitzung der Pariser "Akademie der Wissenschaften" wurden beide Brüder, Étienne und Joseph Montgolfier, sowie Pilâtre de Rozier und Chevalier Francois-Laurent d'Arlandes zu außerordentlichen Mitgliedern ernannt.
Zu Weihnachten verlieh Ludwig XVI., Étienne den Orden des Heiligen Michael. Die höchste Auszeichnung folgte aber noch: in einer diplomatischen Geste adelte der König den inzwischen 83-jährigen Vater Pièrre für die Verdienste seiner Söhne und die Fortschritte in der Kunst der Papierherstellung.

Le Fiesseles

In den folgenden Wochen lieferte Joseph, immer noch in Vidalon geblieben, Berechnungen und theoretische Hintergründe zu Heißluftballonen und zeigte Modellballonaufstiege in Lyon. Nach dem Aufstieg von Charles drängte der Intendant von Lyon, Jaques de Flesselles, auf den Bau eines großen Ballons, der steuerbar sein sollte.

Joseph zeichnete einen Ballon in Fischform, im Prinzip ein erster Vorläufer des Luftschiffes. Doch seine Geldgeber, de Flesselles, der Prinz von Ligne und Graf Laurencin wollten das Vergnügen einer Luftreise möglichst bald genießen und drängten ihn zum Bau eines Ballons.
Joseph ändert das Konzept und verwarf damit den zukunftsweisenden Einfall der Fischform. Er baute einen runden klassischen Ballon, allerdings in einer Größe, die erst 95 Jahre später von Henri Griffards "Le Captif" übertroffen wurde: der Ballon "Flesselles" war 40 Meter hoch und hatte einen Durchmesser von 20 Metern.

Étienne ließ sich in Paris von de Rozier überreden, ihn als erfahrenen Helfer nach Lyon zu schicken.
Dort kam er am 26. Dezember an und inspizierte die Hülle, die aus drei Schichten Papier bestand, die zwischen zwei Lagen Leinwand eingenäht war. Weiterhin begutachtete er das Holzgeflecht der Galerie, die Seile und die Schnüre zur Befestigung und bemängelt das Ganze als zu plump und unzweckmäßig.
Der obere Teil musste seiner Meinung nach aus leichterer Baumwolle angefertigt und nach dem Vorbild der Charliere mit einem Netz zur Aufhängung der Galerie überzogen werden. Joseph stöhnte unter dem besserwisserischen de Rozier, der energisch und selbstbewusst das Kommando übernahm.
Pilâtre de Rozier bestimmte, dass der fertige Ballon am 07. Januar 1784 zum Startplatz, einem Feld vor den Toren der Stadt, gebracht wurde. Innerhalb von drei Tagen wurden dort die Ballonteile zusammengesetzt und am 10. Januar der Ballon das erste Mal aufgeblasen. Danach bestand er auf weiteren Änderungen und befahl, die Galerie mit 100 Seilen zu befestigen. Es kam zwischen Joseph und Pilâtre zu erheblichen Spannungen. Das schlechte Wetter mit Schnee und Regen durchnässte die Ballonhülle.

Nach etlichen Reparaturen war der Ballon am 15. Januar wieder in Stand gesetzt. Er wurde nach dem geldgebenden Schutzpatron des Projekt auf den Namen "Le Flesselles" getauft. Am Nachmittag gegen 14.30 war der Ballon fertig gefüllt und die Galerie wurde mit wissenschaftlicher Ausrüstung beladen: neun Thermometer, drei Barometer, zwei Hygrometer, Sprachrohre und Ferngläser.
Gegen 16:00 Uhr bestiegen 6 Personen die Galerie und verstauen noch 32 Zentner Ballast. Wegen der hereinbrechenden Dunkelheit entschied man sich allerdings dann, den Start auf den nächsten Tag zu verschieben.
In der Nacht verschlechterte sich jedoch das Wetter, Regen Hagel und eisiger Wind fegen über den Startplatz. Die zusammengelegte Hülle war am nächsten Morgen total durchnässt und an einigen Stellen gefroren. Um das Eis aufzutauen, entfachten einige Arbeiter ein mächtiges Feuer, dass das Oberteil des Ballons in Brand setzte.

Ballon Flesselles beim Start in LyonUnter dem Druck der Geldgeber, Joseph hatte durch das Projekt bereits gewaltige finanzielle Verluste erlitten, Pilâtre wollte nicht in Schande erfolglos nach Paris zurückzukehren, wurde "Le Flesselles" erneut repariert. Am 19. Januar war das Wetter für einen zweiten Startversuch in Ordnung. Nach den ganzen Umbauten und Reparaturen glich der Ballon mittlerweile einem Flickwerk und hatte zahllose Löcher. Joseph und Pilâtre konnten aber angesichts der versammelten Menschenmenge und ihres Versprechens nicht mehr zurück.
Es wurde fieberhaft übererlegt, wer im Ballon mitfahren durfte. Aufgrund des Zustandes sollten nicht alle geplanten Personen an Bord. Keiner der Geldgeber wollte zurücktreten, deshalb entscheidet de Flesselles, dass nur Pilâtre und Joseph aufsteigen sollten. Kurz vor dem Start sprang ein Mitarbeiter der Montgolfierschen Papierfabrik aber auf die Galerie und dann gab es kein Halten mehr: Sekunden später standen 7 Personen auf dieser und bekämpften sich mit scharfen Wortwechseln, Weigerungen und Drohungen. Resigniert ließ de Flesselles den Ballon starten.
In 30 m Höhe trieb der Ballon Richtung Rhone, schließlich schürte Joseph das Feuer an und der Ballon stieg ziemlich schnell auf 1000 m Höhe. Durch den raschen Aufstieg riss maroder Stoff im oberen Teil der Hülle und der Ballon landet bereits nach 12 minütiger Fahrt auf einer sumpfigen Wiese. Groß angekündigt war eine Fahrt nach Paris, eher beschämend das Ergebnis der dritten Ballonfahrt in der Geschichte. Glücklicherweise blieben alle Beteiligten unverletzt, nur Joseph erlitt eine leichte Prellung. Trotzdem wurden die Luftfahrer in einem wahrem Begeisterungsrausch gefeiert.

Der Rückzug

Die bisher größte Maschine hatte die kleinste Leistung erbracht. Joseph verlor durch das Unternehmen 12.000 Livres, den jährlichen Lohn von 60 seiner Arbeiter. Étienne meinte verbittert, dass mit dieser Tat Geld verschwendet, Zeit vertan und die Manufaktur ruiniert wurde. Er selbst war allerdings in Paris ebenfalls erfolglos, mit der Erfindung Ballon Geld zu verdienen. Alle Verantwortlichen lehnten mit dem Hinweis auf leere Staatskassen weitere Versuche ab. Im März 1784 veranstaltete Joseph eine Ballonkonferenz in Montpellier, Étienne reist schließlich nach London, um im Auftrag König Georg III. einen Ballon zu wissenschaftlichen Zwecken zu bauen. Scheinbar war er dort aber nicht erfolgreich, es gibt keine Quellen über einen Aufstieg. Im Frühjahr 1784 kehrten beide Brüder nach Vidalon zurück, um da aufzuhören, wo sie vor knapp einem Jahr begonnen hatten: in der Papierfabrik der Familie.

Am 15. April 1784 erhielten die Montgolfiers eine letzte Anerkennung aus Paris und durften sich fortan "Königliche Papiermanufaktur" nennen. Weder Étienne, noch Joseph Montgolfier bauten je wieder einen Ballon oder beschäftigten sich mit der Entwicklung des Fliegens.

Zitat von Étienne Montgolfier: "Das ist eine schöne Frucht, aber sie ist noch nicht reif, und wir werden tot sein, bevor die Sonne der Praxis und Erfahrung sie gereift hat. Das ist ein Baum, der für unsere Enkel gepflanzt ist."

Joseph und Étienne MontgolfierDer Erfindergeist und die Energie der beiden ungleichen Brüder war nach dem Ausflug in die Welt der Ballone jedoch nicht gebrochen. Joseph Michel verbesserte im Jahr 1796 den von John Whitehurst im Jahre 1772 erfundenen Hydraulischen Widder entscheidend, indem er ein Ventil für den Rückstoß beifügte. Jacques Étienne gründete die erste Fachschule für Papiermacher.
Jacques Étienne Montgolfier verstarb am 02. August 1799, Michel-Joseph am 26. Juni 1810 in Balaru-les-Bains.

Quellen:
Himmelfahrten
von Michael Stoffregen-Büller
physik verlag Weinheim, 1983

Bilder:
http://en.wikipedia.org/wiki/Montgolfier_brothers
http://en.wikipedia.org/wiki/Montgolfier_brothers
http://de.wikipedia.org/wiki/Montgolfier
http://www.marbertsballonteam.nl
http://www.z.about.com
http://www.aerospaceweb.org
Deutsches Museum, München
Michael Stoffregen-Büller

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